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LUMBOISCHIALGIE
chronische Lumboischialgie
                                        

Gegenüber lumbalen (= die Lende betreffenden) Rückenschmerzen tritt die Lumboisch ialgie wesentlich seltener auf. So erleben ca. 75% der Menschen einmal in ihrem Leben Schmerzen im unteren Lenden wirbelbereich, aber nur ca. 2% eine Lumboischialgie.

Die Lumboischialgie wird auch als Isch io lumbalgie bezeichnet, je nach dem, welche Anteile schmerzmäßig im Vordergrund stehen. Es sei aber darauf hingewiesen, daß dieser feine Unterschied nur selten bei der Krankheitsbezeichnung berücksichtigt wird. 

Der Begriff "Lumboisch ialgie" setzt sich aus den Wortteilen "lumbal" (= die Lende betreffend) und Ischialgie (= Schmerzen im Verlauf des Ischias) zusammen.

Bei der Lumboischialgie handelt es sich also um eine Kombination von Schmerzen im Bereich der (mehr unteren) Lendenwirbelsäule (Lumbalgie) mit Schmerzen im Ausbreitungsgebiet des Ner vus isch iadicus (kurz Ischias genannt). 
Der ischias
abhängige Schmerzbereich kann sich über das Gesäß, den hinteren Oberschenkel, hinterer und äußerer Unterschenkel bis in den Fuß einschließlich Groß zehe erstrecken. Die Schmerz ausstrahlung ins Bein kann

  1. pseudoradikulärer Art (Pseudoradikuläres Syndrom) (= Krankheitszeichen die auf eine scheinbar gestörte Nervenwurzel zurückzuführen sind) oder auch
  2. radik ulär bedingt sein (radikuläres Syndrom) (= Krankheitszeichen die auf eine tatsächlich gestörte Nerv enwurzel zurückzuführen sind).

Radikuläre Syndrome gehen mit neurologischen Defiziten einher (= Erlöschen der Muskel eigenreflexe und/oder Störungen der Empfindlichkeit auf Reize bis hin zu Lähmungen). Im Rahmen einer ausgeprägten radikulären Symptomatik kann es auch zu einer muskulären Schwäche der Fuß heber kommen (Fußheberparese).

Mögliche Ursachen einer Lumboisch ialgie:

1) Bandscheibenprotrusionen (= Bandscheibenvorwölbungen)
2) Bandscheibenprolaps (= Bandscheibenvorfall)
3) Spondylolisthesis (= Gleitwirbel)
4) Stenose (= Einengung) im Foramen intervertebrale (= Zwischenwirbelloch)
    bzw. Nervenwurzelkompression, hervorgerufen durch:
          a) Tumorbildung
          b) Randzackenbildung
          c) Varizen (= Krampfadern) im Bereich der Rücken markshülle
          d) Ödem (= Flüssigkeitsansammlung) im Bereich der Ner venwurzel
          e) Wirbelbruch (Wirbelfraktur)

5) Spinalkanalstenose (= Wirbelkanalverengung)

In der Regel treten die Ischiasschmerzen nur einseitig auf, während die Kreuzschmerzen (Lumbalgie) meist beiderseits vorhanden sind, oft seitenbetont.

Spezielle Schmerztherapie bei Lumbo ischialgie
Grundsätzlich gilt, daß durch eine geeignete Diagnostik (= Maßnahmen zur Erkennung von Krankheiten) versucht werden muß, eine für die geklagten Schmerzen ursächliche, spezifische Erkrankung zu entdecken. Gelingt dies, so muß diese zunächst kausal (= entsprechend der Krankheitsursache) behandelt werden. 
Dazu ein Beispiel: Werden die Ischias
- und Kreuzschmerzen durch einen Wirbelsäulentumor verursacht, so steht an erster Stelle natürlich eine spezifische Krebstherapie (Chemotherapie, Bestrahlung, Operation). 
Verbleiben nach einer krankheitsspezifischen Behandlung dennoch Schmerzen im Sinne der Lumboischialgie, leider häufiger auch nach Bandscheibenoperationen, so eignen sich zur Behandlung folgende Maßnahmen, wobei Dauerschmerzen praktisch immer eine Kombination von verschiedenen Therapieverfahren erfordern:

Medikamentöse Schmerztherapie bei Lumboisch ialgie
Akut
(= plötzlich einsetzend, heftig) und subakut (= eher schleichend verlaufend) können bei Lumboischialgie zunächst (vorwiegend) peripher wirkende Analgetika (= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerz entstehung wirken) eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika (= Rheuma mittel), aus dieser Gruppe möglichst lang wirkende und magen schonende wie z.B. Meloxicam. Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib oder Etoricoxib, allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei stärkeren schmerz haften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch Muskel
relaxanzien (= Mittel zur Entspannung von Muskeln) (z.B. Orphenadrin, Tolperison) verordnet werden. 
Manchmal sind aber die Schmerzzustände nur mit zentral wirkenden Analgetika
(= im Gehirn bzw. Rücken mark wirkende Schmerzmittel) (z.B. Tramadol, Tilidin, bzw. Tilidin mit Naloxon oder auch Morphin) beherrschbar.
Grundsätzlich sollte aber auch bei Lumboischialgie eine längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar Schmerzmittelabhängigkeit vermieden werden. 
Die Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva
(= Mittel gegen Depression, aber auch bei diesen Schmerzen hilfreich) (z.B. Doxepin, Maprotilin) hilft in vielen Fällen Schmerzmittel einzusparen.

Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel):
Bei anhaltenden Schmerzen sollten rechtzeitig alternative Methoden eingesetzt werden. Eine sehr wirksame Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die therapeutische Lokalanästhesie mit einem langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) in Form von örtlichen Betäubungen und Nervenblockaden. Sehr hilfreich sind wiederholte Einzelbetäubungen des Nervus i
sch iadicus in Kombination mit Nervenwurzelblockaden neben der Wirbelsäule
Bei verhärteter Muskulatur im Lenden
bereich ist zusätzlich die wiederholte, großzügige Infiltration derselben zur Muskel entspannung mit Bupivacain (0,25 - 0,5%) sehr lohnend. 
Betäubungen
(Blockaden) des
Isch ias gelingen am sichersten infragluteal (= unterhalb des Gesäß es). Im Gegensatz zur transglutealen (= durchs Gesä ß hindurch) Technik kann eine deutlich kürzere und damit dünnere Nadel verwendet werden. Der Einstich erfolgt ca. 3 Querfinger unterhalb der Gesäßfalte am rückwärtigen Oberschenkel. Die exakte Position kann bei Verwendung einer dünnen Kanüle durch Auslösung von Parästhesien (= Fehlempfindungen) ermittelt werden. Der Verlauf des Nerven kann auch mit einer transkutanen (= über die Haut verabreichten) elektrischen Nervenstimulation mit Zielelektrode zuvor identifiziert werden. Zur Schmerztherapie reichen 10-15 ml z.B. Bupivacain 0,125-0,15% aus. Bei dieser Konzentration bleibt die Motorik intakt, so daß begleitend physiotherapeutische Maßnahmen (= Krankengymnastik, Anwendungen) durchgeführt werden können, bzw. bei starken Schmerzen durch Hemmung der Nozizeption (= Schmerzreizleitung) überhaupt erst möglich werden. 
In hartnäckigen Fällen hat sich zur Behandlung der Lumboisch
ialgie die kontinuierliche Blockade des N. ischiadicus mit Katheter sehr bewährt, insbesondere in der retrograd hohen Variante. Dabei wird, ebenfalls von der Oberschenkelrückseite her, ein dünner Kunststoffschlauch (Katheter) durch eine Kanüle hindurch in die Nervenscheide (= Gewebsumhüllung eines Nerven) des Isch ias eingepflanzt und innerhalb derselben noch weiter nach oben vorgeschoben. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. 
Während den Katheterfüllungen wird der Ober
schen kel unterhalb der Einstichstelle mit einer Manschette abgestaut. Das örtliche Betäubungsmittel kann sich auf diese Weise innerhalb der Nervenscheide nur nach oben ausbreiten und so dann auch die gestörten Ner venwurzeln im Lende nbere ich erreichen und dort bezüglich der Kreuzschmerzen ebenso lindernd wirken. 
Mit dieser sog. retrograd hohen Blockadevariante werden zusätzliche Nervenwurzelblockaden im unteren Lumbalbereich zur Behandlung der Kreuzschmerz
  komponente (meist) entbehrlich, falls nicht, werden die betroffenen Nervenwurzeln 2 mal täglich (auch an Wochenenden) mittels Einzelinjektionen separat blockiert.

Physikalische Therapie
Auch die Elektrostimulation kann bei Lumboisch
ialgie eine Beschwerdelinderung herbeiführen. Die transkutane (= über die Haut verabreichte) Stimulation mit Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) hat den Vorteil, daß sich die Patienten bei Bedarf selbst behandeln können. Die Elektroden werden paarig paravertebral (= neben der Wir belsäule) im Schmerzbereich aufgeklebt, aber auch über dem Ischiasverlauf am rückwärtigen Oberschen kel. Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die Wirkung optimiert werden. 
Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit ist die oberflächliche Kältetherapie im Schmerzbereich. Wir verwenden einen elektrischen Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C abgekühlt ist. 
Manche Patienten mit Lumboischialgie empfinden allerdings lokale Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam. Warme Bäder können ebenfalls Rückenschmerzen lindern. 
Die Verordnung von Massagen ist auch bei der Lumboischialgie nicht sinnvoll. Für den Patient mag diese Behandlung zwar angenehm sein, aber unter schmerztherapeutischem Aspekt bringt sie nichts und führt nur zu unnötigen Kosten.
Nahezu unverzichtbar bei Lumboisch
ialgie (chronische), bzw. allgemein bei Rückenschmerzen, ist aber die heilgymnastische Therapie, insbesondere in Form der Rückenschule, da meist nur diese geeignet ist, einen ärztlichen Behandlungserfolg zu sichern und längerfristig zu stabilisieren. Dabei gilt es, Rüc k en- und Bauch muskulatur zu trainieren, da auf Dauer nur eine kräftige Mus kulatur eine statische und dynamische Insuffizienz des Achsenorgans kompensieren kann.
Besonders bei akuten Blockierungen hat die manuelle Therapie durchaus gute Erfolge aufzuweisen. 
Pflegerisch ist bei der akuten und subakuten Lumboischialgie auch an die Lagerung im Stufenbett zu denken. 
Bei schmerzhaften degenerativen Veränderungen der
W irbelsäule wird auch eine Röntgenbestrahlung empfohlen (Thomalske 1991). Die Magnetfeldtherapie kann ebenfalls hilfreich sein, gleiches gilt für die Hochtontherapie.

Andere Therapiemaßnahmen: 
Der Vollständigkeit halber darf die Akupunktur (Schmerzakupunktur) nicht unerwähnt bleiben. Bei Lumbalschmerzen soll die Nadelung der Punkte 23, 31 und 50 auf dem Blasenmeridian, sowie Gallenblase 26 und 28 wirksam sein (Kossmann et al. 1986). 
Wichtig sind individuelle Instruktionen zur richtigen Haltung und Vermeidung von übermäßigen Wirbelsäule nbelastungen (funktionelle Ergotherapie bzw. Rückenschule). Darüber hinaus ist anzustreben, daß die betroffenen Patienten Übungen zur Lockerung der
Mus kulatur erlernen. 
Die Verordnung von Hilfsmitteln wie Bauchbandagen oder Korsette sollten dem Orthopäden vorbehalten sein. 
Hypnoide Verfahren
wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson sind eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie, da auch sie zu einer muskulären Entspannung führen, ebenso Biofeedback
(= Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale).

Die Methoden der modernen Schmerztherapie bieten auch optimale Voraussetzungen für eine Anschlußheilbehandlung (AHB) bzw. Anschlußrehabilitation. Mehr darüber erfahren Sie hier: http://www.anschlussheilbehandlung.eu (einfach anklicken).

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http://www.lumboischialgie.org  Aktualisiert: >09.12.2007</> kusb

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